„Erneuerbare Wärmeerzeugung sollte in §35 Baugesetzbuch privilegiert werden“

2021-11-30T16:54:42+01:00Oct 7th, 2021|

Durch die hohe Komplexität des Bebauungsplanverfahrens gibt es in Deutschland zu wenig Flächen, die für solare Wärmenetze genutzt werden können. Bene Müller, Vorstand für Vertrieb und Marketing bei der solarcomplex AG in Süddeutschland, vertritt daher die Meinung, dass erneuerbare Wärmenetze und -anlagen nach Paragraph 35 des deutschen Baugesetzbuchs privilegiert werden sollten. Ohne diese Änderung sei eine Dekarbonisierung des Wärmesektors nicht möglich.

Herr Bühler von der Firma Ritter XL sagte in einem Interview: „Der deutsche Markt für solare Nahwärme könnte durchaus größer sein, wenn genügend Flächen zur Verfügung stehen würden.“ Stimmen Sie ihm zu?
Müller: Ja, sicher. Aber grundsätzlich sind genügend Flächen vorhanden, sie sind nur nicht leicht verfügbar. Die Flächen für große Solarwärmeprojekte müssen in unmittelbarer Nähe zu bebauten Gebieten gefunden werden. Landwirtschaftliche Flächen konkurrieren bereits mit Bauland. Hinzu kommt, dass solare Wärmenetze oder die Infrastruktur zur regenerativen Wärmeerzeugung generell nicht privilegiert sind.

Was würde eine Privilegierung bedeuten und wie könnte diese realisiert werden?
Müller:
Der Paragraph 35 des Baugesetzbuchs führt alle Vorhaben auf, die bei der Planung im Außenbereich privilegiert werden können. Alle Bauvorhaben zur allgemeinen Versorgung mit Strom sind in diesem Paragraphen enthalten. So wurde auch die Windkraft im Jahr 1997 hinzugefügt.
Hier sind politische Entscheidungsträger auf Bundesebene gefragt, allgemeine regenerative Wärmeversorgungssysteme mit einzubeziehen. Für Planer würde dies bedeuten, dass zwar weiterhin eine Baugenehmigung benötigt wird, aber kein Bebauungsplanverfahren vorgeschaltet werden muss. Diese Hürde muss unbedingt abgebaut werden.

Mit welchen Aufgaben sind Planer konfrontiert bei einem Bebauungsplanverfahren?
Müller:
Das Bebauungsplanverfahren ist äußerst komplex. Es umfasst Blendgutachten, Umweltaspekte und die langwierige Prüfung von Alternativen. Letzteres ist besonders hinderlich, weil man froh sein kann, überhaupt einen geeigneten Standort gefunden zu
haben. Der Nachweis, dass der Standort besser ist als andere, auch wenn diese rein fiktiv sind, ist eine unnötige Hürde. Wenn Fernwärmesysteme zum Standard werden sollen, müssen die Genehmigungsverfahren vereinfacht werden.

Kennen Sie diese Schwierigkeiten auch bei der Suche nach geeigneten Flächen für Windkraftanlagen oder Photovoltaik?
Müller:
Ja, auch da gibt es Schwierigkeiten, aber die Situation ist anders, denn bei Photovoltaik und Windkraftanlagen gibt es mehr Freiheit bei der Standortwahl. Ein Solarkollektorfeld muss immer in der Nähe des Wärmenetzes errichtet werden, um die Verluste in den Anschlussleitungen zu minimieren.

Trotz dieser Planungshürden betreibt solarcomplex inzwischen 18 CO2-optimierte Wärmenetze in Deutschland. Was ist Ihr Erfolgsrezept?
Müller:
Wir haben inzwischen viele Referenzprojekte, das hat sich bei Bürgermeistern und Gemeinderäten herumgesprochen. Oft bekommen wir ein Folgeprojekt aus einer Nachbarstadt, wenn das Wärmenetz in der Nachbargemeinde erfolgreich in Betrieb ist. Aber auch die wirtschaftlichen Argumente sind wichtig. Wir erheben keinen Baukostenzuschlag, das heißt, jeder Wärmekunde kann kostenlos an das Wärmenetz angeschlossen werden, und wir bieten wettbewerbsfähige Preise für die Wärme.

Wie erreichen Sie trotz der hohen Investitionskosten günstige Wärmepreise?
Müller:
Meistens nutzen wir Abwärme aus Biogasanlagen, die wir von den Landwirten kostenlos erhalten. Die Betreiber der Biogasanlagen erhalten einen höheren KWK-Bonus, wenn die Abwärme genutzt wird. In Wärmenetzen ohne Abwärmepotenzial haben wir Solarthermieanlagen integriert, die ebenfalls Wärme zu einem stabilen Preis von 2,5 ct/kWh liefern, was immer noch sehr günstig ist. Man darf nicht vergessen, dass etwa die Hälfte der Wärmekosten von den Kapitalkosten für die hohen Investitionen in das neue Wärmenetz abhängt. Für jedes Nahwärmenetz werden mehrere Millionen Euro in den Boden vergraben!

Was genau ist denn Ihr Geschäftsmodell?
Müller: Wir planen, bauen und betreiben ein Wärmenetz in einer Gemeinde. Die Grundlage dabei bildet ein Konzessionsvertrag, den wir mit der jeweiligen Gemeinde abschließen. Anschließend versorgen wir so viele Gebäude wie möglich, unter anderem auch öffentliche Gebäude, mit erneuerbarer Wärme. Niemand ist verpflichtet, sich an das Netz anzuschließen, wir müssen einfach wirtschaftlich attraktiv sein. Natürlich schließen wir mit möglichst vielen Kunden Wärmelieferungsverträge ab, bevor wir mit den Bauarbeiten beginnen.

Das Interview wurde von Bärbel Epp durchgeführt.

Quelle und vollständiger Artikel: www.solarthermalworld.org  (aus dem Englischen übersetzt)

Foto: Solarcomplex

Energiewendetage BW auf dem Kastanienhof in Bodelshausen

2021-09-24T09:46:02+02:00Sep 24th, 2021|

Am Wochenende des 18. und 19. Septembers 2021 fanden die Energiewendetage des Landes Baden-Württemberg statt. Aus diesem Grund veranstaltete der Regionalverband Neckar-Alb, gemeinsam mit seinen ENTRAIN-Projektpartnern HEF und Solites, die Energiewendetage auf dem Kastanienhof in Bodelshausen, einem ihrer Pilotprojekte.

Begleitet wurden die Tage mit einem großen Markt mit all seinen regionalen Produzenten, um ein großes Publikum anzulocken. Die Ausstellung aller Pilotprojekte und die Premiere der brandneuen Filme über drei der Pilotprojekte (einer für jeden Landkreis) waren das Herzstück der Veranstaltung.

Am 18. September fand die letzte Beirats-Versammlung in Verbindung mit einem Treffen der Vertreter der Pilotprojekte statt, um das Netzwerk der lokalen Akteure zu verbessern. Nach dem Mittagessen begann die große Eröffnung der Energiewendetage: mit Reden des Verbandsvorsitzenden des Regionalverbandes Neckar-Alb Eugen Höschele, dem Geschäftsführer der KBF gGmbH und Gasgebers Wolfgang Welte und dem Landrat des Landkreises Tübingen Joachim Walter. Den Abschluss machte der Rektor der Hochschule Rottenburg Prof. Dr. Bastian Kaiser mit einem Weck- und Aufruf zu mehr Klimaschutz und Verantwortung der Politik. Im Publikum fanden sich viele Vertreter aus Politik, Hochschulen, Landräten bis hin zur Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin und Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration Annette Widman-Mauz.

Am 19. fand ein weiterer Publikumsbesuch statt, der zu einem regen Austausch und interessanten Diskussionen führte. Daneben gab es Präsentationen der Biokohle-Lösung des Kastanienhofs, die die Herstellung, Funktion und Vorteile von Biokohle – insbesondere die CO2-Reduktion im Boden – erläuterten.

Die Energiewende muss auch von unten nach oben umgesetzt werden – deshalb brachte ein energiegeladenes Kinderprogramm mit einem “Stadt der Zukunft”-Spiel, Malwettbewerb, Saatkugelproduktion und Windmühlenbasteln den Kindern die Energiesparideen näher und ließ den Eltern zusätzliche Zeit in der Ausstellung.

Solare Fernwärme: Aalborg CSP baut neuen Deckel für Speicher in Dronninglund

2021-10-07T22:12:16+02:00Sep 17th, 2021|

Aalborg CSP soll im dänischen Ort Dronninglund den Erdwärmespeicher aus dem Jahr 2015 sanieren. Wasseransammlungen haben zu Schäden in der Isolierung geführt.

Für Aalborg CSP ist dies bereits der zweite Auftrag für einen Speicher für Solare Fernwärme innerhalb von knapp zehn Monaten. Der Markt für diese Erdbeckenspeicher, auf Englisch Pit Thermal Energy Storage (PTES) wachse rasant, so das Unternehmen.

Bei PTES handelt es sich im Wesentlichen um ein riesiges, mit Wasser gefülltes Becken in der Erde (Pit), das mit einer Folie und Isolierung ausgekleidet wird. Die Deckelkonstruktion ist dabei eine Herausforderung. Sie muss im Fall von Dronninglund eine Fläche von mehr als 8.000 Quadratmetern abdecken, dabei stabil bleiben und den größten Teil der Isolierwirkung erbringen. Der Speicher in Dronninglund hat eine Wärmekapazität von 5.500 MWh. Das Fernwärmesystem versorgt 1.400 Haushalte mit Wärme aus Solarthermie, Wärmepumpen und Erdgas.

In Dronninglund erwies sich der Deckel des Speichers als schwächste Stelle. Der Vorstandsvorsitzende von Dronninglund Fjernvarme, Svend Bøgh, erklärt: “Unsere bestehende Deckelkonstruktion war nicht mehr in der Lage, die Aufgaben zu erfüllen, und musste ersetzt werden.“

Nach einer öffentlichen Ausschreibung habe man sich für Aalborg CSP entschieden. Die Technologie sei zertifiziert, was ein hohes Maß an Sicherheit und Vertrauen biete. Der neue Deckel soll nun 25 Jahre halten.

Wiederverwendung der bisherigen Isolierung des Erdwärmespeichers

Ein wichtiges Kriterium in der Ausschreibung sei gewesen, einen möglichst großen Teil der früheren Isolierung wiederzuverwenden. Das soll den ökologischen Fußabdruck und die Kosten für die Wärmeabnehmer möglichst gering zu halten. Ein großer Teil der alten Isolierung sei für die direkte Wiederverwendung geeignet gewesen, erklärt Aalborg CSP. Auch dafür habe man eine kostenoptimierte Lösung gefunden. „Die Wiederverwertung der alten Materialien in Kombination mit der neuen Deckeltechnologie garantiert Dronninglund Fjernvarme den bisher besten isolierten Speicher”, sagt Morten Vang Bobach, Product Manager PTES von Aalborg CSP.

Aalborg CSP hat einen ähnlichen Speicher-Deckel bereits vor wenigen Monaten für die Solare Fernwärme in Marstal installiert. Nun arbeitet das Unternehmen weiter an der Optimierung. Dabei gehe es insbesondere darum, die Kosten zu senken. Dabei seien die Marktbedingungen für Rohstoffe eine Herausforderung. Trotzdem habe man es geschafft, eine technisch optimale Lösung zu einem attraktiven Preis anzubieten, findet Svante Bundgaard, CEO von Aalborg CSP.

PTES-Speicher für Sektorenkopplung nutzen

Doch nicht nur die Solare Fernwärme braucht mehr Speicher. Aalborg CSP sieht auch eine wachsende Bedeutung von Erdbeckenspeicher im Zusammenhang mit der Sektorenkopplung und Power to Heat. Die Technologie sei ideal, da sie kommerziell erprobt, skalierbar und im Vergleich zu allen anderen Power-to-X-Alternativen günstig sei. Erdbeckenspeicher könnten auch Abwärme aufnehmen, die zurzeit über Schornsteine oder Kühlprozesse verloren gehe. Auch für den Betrieb mit Wärmepumpen, Elektrokesseln und natürlich Solaranlagen seien die Speicher ideal.

Zertifizierung macht Deckeltechnologie „bankable“

Anfang dieses Jahres erhielt Aalborg CSP als erstes Unternehmen ein Technology Qualification Certificate von Lloyd’s Register für seine Deckeltechnologie. Dieses besagt, dass die Technologie alle erforderlichen Anforderungen in Bezug auf Design, Funktionalität und Nachhaltigkeit erfüllt. Die Zertifizierung bietet Kunden und Banken mehr Sicherheit, macht die Technologie also „bankable“.

Quelle: solarserver.de

Foto: Dronninglund Fjernvarme

Solarthermie und Biomasse – Solarenergiedorf Gimbweiler geht in Betrieb

2021-10-07T21:54:50+02:00Sep 10th, 2021|

Das Bioenergiedorf Gimbweiler hat die Einweihung seines neuen Nahwärmenetzes gefeiert. An der gut 4.000 Meter langen Wärmetrasse in dem Bioenergiedorf sind laut einer Pressemitteilung des Klimaschutzministeriums über 100 Gebäude angebunden.

Die Kunden erhalten ihre Nahwärme nun aus einer Solarthermie-Anlage und zwei Biomasse-Kesseln. Laut der Webseite des Betreibers gehört zum Nahwärmesystem eine Solarthermie-Anlage mit einer Fläche von 1.000 m2 (600 kW). Die zwei Hackschnitzelkessel sind redundant ausgelegt und haben eine Gesamtleistung von 910 kW. Zusätzlich gibt es noch einen Notkessel. Laut Webseite des Betreibers spart das Wärmenetz über 500 Tonnen CO2 jährlich. In der Pressemitteilung des Klimaschutzministeriums ist sogar von mehr als 600 Tonnen die Rede.

Biomasse aus der Region

Gimbweiler leiste nicht nur einen Beitrag zum Klimaschutz, sondern stärke auch die regionale Wertschöpfung, sagte der Klima-Staatsekretär Erwin Manz bei der Einweihung. Die Hackschnitzel für die Kessel stammten nämlich aus der Region. Von diesem Modell könnten auch andere Kommunen profitieren, sagte Manz. Er verwies auch darauf, dass das Klimaschutzministerium das Projekt mit rund 151.000 Euro gefördert habe.

Die Finanzierung stammt laut der Betreiberwebseite zu 65 Prozent vom Bundesumweltministerium, zu zwölf Prozent vom Land Rheinland Pfalz (Programm Zukunftsfähige Energieinfrastruktur, kurz Zeis) und dem Tilgungszuschuss der KfW. Weitere 23 Prozent sind Eigenmittel der Gemeinde.

Seit 20 Jahren Klimaschutzprojekte in der Gemeinde

Die Kommune Gimbweiler engagiert sich auch über das Nahwärmenetz hinaus für den Klimaschutz. Laut Nahwärme Gimbweiler begann das Engagement mit der energetischen Sanierung eines Vereinsheims 2001. Im Jahr 2006 folgten die beiden ersten Windkraftanlagen. 2010 entstand ein Mehrgenerationenhauses als Gemeindehaus im Passivhaus-Standard. Es folgte eine Photovoltaik-Freiflächenanlage, zwei weitere Windturbinen. Im Jahr 2013 machte der Ort ein Bioenergiedorf-Coaching mit. Zwei Jahre später folgte die Machbarkeitsstudie für das Nahwärme-Netz auf Basis von Biomasse und Solarthermie. Anfang 2019 gab es den ersten Spatenstich.

„Wir lassen die Städte und Gemeinden bei der Umsetzung der Energiewende vor Ort nicht allein. So haben wir ihnen mit unserer Landesenergieagentur einen starken Partner zur Seite gestellt, der sie dabei tatkräftig unterstützt. Zudem fördern wir die Energiewende in Kommunen mit zahlreichen Programmen: Von der Erstellung von energetischen Quartierssanierungskonzepten über die Unterstützung bei der Anschaffung von Solarspeichern bis hin zur Förderung von kommunalen Nahwärmenetzen auf Basis Erneuerbarer Energien, wie hier in Gimbweiler“, sagt Staatssekretär Manz.

Quelle: solarserver.de

Foto: © stefan257 / stock.adobe.com

Wärmenetz-Förderung BEW – Endspurt auf der Zielgeraden

2021-10-07T22:19:12+02:00Aug 30th, 2021|

Die amtierende Bundesregierung will mit der Bundesförderung effiziente Wärmenetze (BEW), deren Entwurf das Wirtschaftsministerium (BMWi) im Juli den Verbänden vorgestellt hat, möglichst vor der Wahl noch einen Akzent setzen.

Ob das gelingt, liegt aber nach Aussage der BMWi-Pressestelle allein an Brüssel. Wann das beihilferechtliche Verfahren für die BEW durch sei, dazu könne das Ministerium derzeit leider keine Prognosen abgeben: „Das liegt allein bei der EU-Kommission.“ Nach eigener Aussage des BMWi sind die Änderungen, die das Haus nach der Verbändeanhörung am 29. Juli noch an dem Entwurf der neuen Fernwärme-Förderung BEW gemacht habe, nicht sehr gravierend: „Es gab im Anschluss an die Anhörung eine kleine Zahl von Änderungen, die eher technischer Natur oder Klarstellungen sind“, hieß es auf Anfrage der Solarthemen von Seiten der BMWi-Pressestelle.

Kritik und Beifall aus der Branche

Zumeist hatten die Verbände aus dem Regenerativ- und auch aus dem Netzbereich den Grundansatz der lange erwarteten Förderrichtlinie gelobt. Die schärfste Kritik richtete sich auf die vermeintlich zu geringe Mittelausstattung im Bundeshaushalt. Allerdings sind die Details des Bundeshaushalts 2022 erstens noch gar nicht bekannt – auf der Internetseite des Bundestages fehlte in der vorläufigen Parlamentsdrucksache bei Redaktionsschluss am Montag noch der scheidende Einzelplan für den Energie- und Klimafonds. Zweitens sind Haushaltspläne von scheidenden Regierungen in Wahljahren ohnehin teils Makulatur. Nach der Wahl werden die Karten neu gemischt.

Wieviel Etat ist nötig?

Gleichwohl haben Verbände wie der BDEW, der AGFW und der BEE recht, wenn sie darauf hinweisen, dass die bisherigen Etatpläne für 2021 zumindest keinen Blitzstart des neuen Förderinstruments ermöglichen, falls es denn vor der Wahl noch an den Start geht. Zwar haben viele Fernwärmeversorger in Erwartung der bereits seit vier Jahren angekündigten BEW-Förderung passende Konzepte in der Schublade. Trotzdem könnte es dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) angesichts des späten Programmstarts schwer fallen, jene 202,9 Millionen Euro noch in diesem Jahr auszugeben, die nach aktuellem Etatentwurf 2021 noch für Machbarkeitsstudien, Transformationspläne und Investitionsvorhaben zur Verfügung stehen. Für die kommenden vier Jahre sind Verpflichtungsermächtigungen über weitere rund 368 Millionen Euro im Haushalt 2021 vorgesehen.

Wieviel Geld ist nötig?

Richtig auf Touren kommen dürfte die Förderung erst im kommenden Jahr. Ab dann sollen nach den Zielvorgaben der BEW jährlich Investitionen von 690 Millionen Euro in Wärmenetze getätigt werden, die zu mindestens 75 Prozent regenerativ oder mit Abwärme beheizt werden. Der Fernwärmeverband AGFW leitet daraus eine einfache Rechnung ab. Bei der angekündigten Standard-Förderquote von 40 Prozent hätte die BEW dann einen Förderbedarf von 276 Millionen Euro pro Jahr. Mindestens – denn die vorbereitenden Machbarkeitsstudien und Transformationspläne werden mit 50 Prozent gefördert und für Solarthermie und Großwärmepumpen sind zusätzlich zum 40-prozentigen Investitionszuschuss weitere Betriebskostenzuschüsse geplant (2 Ct/kWh für Solarthermie, bis zu 7 Ct/kWh Wärmepumpen – vgl. Solarthemen plus vom 22.7.2021).

Stellenweise Nachbesserungsbedarf

Die Stellungnahmen der Verbände zur BEW zeigen, dass die Richtlinie trotz langer Vorlaufzeit offenbar mit heißer Nadel gestrickt worden ist. So bemängelte der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) unter anderem eine mangelnde Abstimmung der BEW mit der Bundesförderung für Effiziente Gebäude (BEG). Denn erstere greift erst ab 16 angeschlossenen Gebäuden oder 100 Wohneinheiten. Die BEG fördert aber andererseits nur sogenannte Gebäudenetze, die ausschließlich der Versorgung von Gebäuden des Anlagenbetreibers dienen. Um die Förderlücke zu vermeiden, plädiert der BEE für eine zügige Ausweitung der BEG auf Netze bis zu 15 Gebäuden.

Kritik der Bioenergieverbände hat die Bundesregierung mit den restriktiven Bestimmungen zur Verwendung von Biomasse in der BEG heraufbeschworen. Weniger sind es hier die Nachhaltigkeitskriterien als die Restriktionen für die begrenzten Laufzeiten der Anlagen in größeren Netzen. Lediglich bei Netzen unter 20 Kilometer Länge, wie sie insbesondere in ländlichen Regionen vorkommen, soll Biomasse als Grundlast förderfähig bleiben. Der BEE fürchtet, dass Investitionen in Biomasseanlagen in­ner­halb derart enger Grenzen unwirtschaftlich würden.

Einzelmaßnahmen entkoppeln

Für Solarthermie und Wärmepumpen fordert der Verband außerdem, dass die Betriebskostenzuschüsse nicht wie vorgesehen an Transformationspläne zu koppeln seien, solange der erneuerbare Anteil weniger als 30 Prozent beträgt. So würden Verzögerungen in Projekten vermieden und Schwellenängste bei Fernwärmebetreibern abgebaut.

Der jetzt vorgelegte Richtlinienentwurf orientiert sich noch an der bisherigen EU-Vorgabe. Die wollte den Anteil Erneuerbarer in der Fernwärmen jährlich um 1 Prozent steigern. Im neuen Fit-for-55-Paket geht die EU-Kommission aber von einem Plus von 2,1 Prozent pro Jahr aus.

Start vor der Wahl

Beim Fachgespräch Ende Juli bekräftigte BMWi-Abteilungsleiter Thorsten Herdan, die BEW vor der Bundestagswahl starten zu wollen. Allerdings gebe es mit der EU-Kommission noch Diskussionen. Bastian Olzem vom BDEW kommentiert gegenüber Solarthemen: „Für die Branche ist wichtig, dass die BEW jetzt vor der Bundestagswahl – immerhin 4 Jahre nach der ersten Ankündigung – endlich an den Start geht. Es ist zwar längst noch nicht alles perfekt, aber die nächste Bundesregierung muss dann entsprechend nachbessern und sicherstellen, dass die grüne Fernwärme ihren wichtigen Beitrag zur Wärmewende, vor allem im urbanen Gebäudebestand, tatsächlich leisten kann.”

Autor: Guido Bröer, Solarthemen

Foto: Solarthermieanlage Chemnitz; Quelle: inetz GmbH

Genossenschaft plant Solarthermie-Nahwärme mit Saisonalspeicher

2021-10-07T22:43:27+02:00Aug 7th, 2021|

Im hessischen Dorf Bracht bei Marburg hat sich am 15. Juli eine Genossenschaft gegründet, um das Dorf zu 60 bis 70 Prozent mit Solarwärme zu versorgen. Es könnte das Wärmenetz mit dem bislang höchsten Solaranteil in Deutschland werden.

Die Solarwärme Bracht e.G. nimmt sich dafür ein Beispiel an einigen dänischen Kommunen. Den hohen Solaranteil soll neben 11.600 Quadratmetern Solarthermie-Kollektorfläche unter anderem ein Erdbecken-Saisonalspeicher ermöglichen, der die Sommersonne bis in den Winter rettet. Als Energieerzeuger soll das System neben der thermischen Freiflächensolaranlage außerdem auf eine Wärmepumpe, ein Blockheizkraftwerk und einen Holzkessel zugreifen können.

Als Speicher steht ein mit Folie ausgekleideter und mit einer schwimmenden Isolierschicht versehener 20.000 Kubikmeter Wasser fassender Erdbeckenspeicher auf dem Wunschzettel der Brachter Energie­genoss:innen. Das letzte Wort ist aber in dem 1000-Einwohner-Dorf, das zur Gemeinde Rauschenberg im Landkreis Marburg-Biedenkopf gehört, noch nicht über dessen Standort gesprochen. Rein technisch ideal wäre dafür der Kirmesplatz des Dorfes.

Quelle: solarserver.de

Foto: A. Eichel

Markthemmnisse, Potenziale und ein neues Projekt für solare Wärmenetze in Deutschland – Experteninterview mit Patrick Geiger

2021-08-12T10:23:56+02:00Jul 20th, 2021|

In der zweiten Runde des vom BMU geförderten Projektes SolnetPlus arbeitet das Team weiter am Marktaufbau für solarthermisch unterstützte Wärmenetze. Patrick Geiger, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Solites und Projektleiter von SolnetPlus, berichtet über Vorhaben, Potenziale und Markthemmnisse.

Anfang Juli haben Sie und Ihre Projektpartner Teil 2 des Projektes Solnet 4.0 bekannt gegeben. Darin dreht es sich um die Marktbereitung für solarthermisch unterstützte Wärmenetze. Was ist neu an SolnetPlus?

Patrick Geiger: Das Projekt SolnetPlus soll den weiteren Zubau an neuen solarthermischen Großanlagen verstetigen und verstärken. Konkret sollen bis zum Projektende rund 100 Megawatt an Anlagenleistung zugebaut werden. Ergänzend zu der erfolgreichen Öffentlichkeitsarbeit und der guten Kooperation zwischen den Projektpartnern – Solites, dem Energieeffizienzverband AGFW und dem Hamburg-Institut – ist das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) neu zum Projektkreis hinzugekommen.

Wir wollen die Zielgruppen Kommunen, Wärmeversorger sowie die Energiepolitik und Genehmigungsbehörden direkt adressieren und zentrale Markthemmnisse abbauen. Außerdem werden wir Lösungsansätze, speziell für Wärmenetze im ländlichen Raum sowie für kohlebasierte Wärmenetze im urbanen Raum, entwickeln. Unser Ziel ist es, durch die Aktivierung und Qualifizierung mittels Wissenstransfer sowie durch die Optimierung und Vereinfachung von Genehmigungsprozessen und technischen Lösungen die Technologie Solarthermie in den (Fern-)Wärmenetzen weiter zu etablieren.

Abgerundet beziehungsweise begleitet wird das Projekt durch einen Beirat aus der Industrie-Initiative Solare Wärmenetze, einem Zusammenschluss der Industrie- und Anbieterunternehmen im Bereich von großflächiger Solarthermie.

Lesen Sie das ganze Interview unter: https://www.solarthermie-jahrbuch.de

Das Interview führte Ina Röpcke.

Foto: Senftenberg (Quelle: RitterXL) / Ellern (Quelle: Guido Bröer) / Ludwigsburg (Quelle: Guido Bröer)

Bundesumweltministerium unterstützt solare Wärmewende mit dem Projekt SolnetPlus

2021-10-01T22:19:35+02:00Jul 8th, 2021|

Das Projekt “SolnetPlus – Solare Wärmenetze als eine Lösung für den
kommunalen Klimaschutz
” wird aus der Nationalen Klimaschutzinitiative gefördert

Die Parlamentarische Staatssekretärin, Rita Schwarzelühr-Sutter, hat dem Steinbeis Forschungsinstitut Solites und dessen Projektpartnern heute in Stuttgart einen Förderscheck über 988.000 Euro für das Verbundprojekt “SolnetPlus” übergeben. Die Förderung erfolgt aus Mitteln der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI).

Schwarzelühr-Sutter: “Mit der Förderung leisten wir einen wichtigen Beitrag zu unseren Klimaschutzzielen. SolnetPlus unterstützt die Wärmenetzentwicklung und damit die Wärmewende insgesamt: Wärmenetze ermöglichen es, erneuerbare Energien effizient und zukunftsfähig in lokale Wärmeversorgungssysteme zu integrieren – nicht nur für wenige Gebäude, sondern für Stadtquartiere oder sogar ganze Gemeinden. Das kann den Klimaschutz ganz wesentlich voranbringen, zudem Quartiersidentität stärken und Lebensqualität erhöhen.“

Solare Wärmenetze versorgen Quartiere, Dörfer und Städte mit Wärme aus großen Solarthermieanlagen und aus anderen Wärmequellen. Im letzten Jahrzehnt begann in Deutschland eine erfolgreiche Markteinführung der Solarthermie als Erzeugungstechnologie für Wärmenetze. Ziel von SolnetPlus ist es, diese positive Entwicklung zu verstetigen und zu verstärken. Die Leistung der durch SolnetPlus initiierten Neuinstallationen von großen Solarthermieanlagen wird auf insgesamt 100 MWth geschätzt. Damit können über 25 Jahre rund 600.000 t CO2-Äquivalente eingespart werden.

Das Projektteam bringt dabei vielfältiges und praxisorientiertes Know-how für die Beratung ein, denn die vier beteiligten Institutionen beschäftigen sich seit Jahren intensiv mit der Thematik und den Belangen von Kommunen: Solites – Steinbeis Forschungsinstitut für solare und zukunftsfähige thermische Energiesysteme (Verbundkoordination), AGFW-Projektgesellschaft für Rationalisierung, Information und Standardisierung mbH, Deutsches Institut für Urbanistik (Difu), Hamburg Institut Research gGmbH (HIR). Im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit wird SolnetPlus durch den Fachjournalist Guido Bröer (Solarthemen) unterstützt.

Das Angebot reicht von Information über Beratung und Qualifizierung bis hin zu aktivierenden Maßnahmen. In Form von Tagungen, Fachseminaren und Planungsworkshops sowie Publikationen werden neben Fachpersonal und Entscheidungstragenden aus Kommunalverwaltung und -politik auch die Energie- und Wärmeversorgerbranche adressiert.

Das innovative Klimaschutzprojekt wird im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) des BMU gefördert. Weitere Informationen zur Nationalen Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums: www.klimaschutz.de

Text: BMU / Difu
Foto: Guido Bröer
Von links: Matthias Sandrock (HIR), Rita Schwarzelühr-Sutter (BMU), Heiko Huther (AGFW), Dirk Mangold (Solites), Jan Walter (Difu)

Solarthermie in Fernwärmenetzen wächst 2020 um 41 Prozent

2021-05-18T22:26:13+02:00May 18th, 2021|

Im vergangenen Jahr ist die Leistung großer Solarkollektorfelder, die in deutsche Fernwärmenetze einspeisen, um 41 Prozent gewachsen. Mit der Inbetriebnahme von 31.051 Quadratmetern Bruttokollektorfläche war 2020 nach Angaben des Steinbeis-Forschungsinstituts Solites das bislang erfolgreichste Jahr für den Markt der solaren Wärmenetze in Deutschland.

Ende 2020 waren insgesamt 44 solarthermische Großanlagen mit einer Kollektorfläche von etwa 107.000 Quadratmetern und einer Leistung von rund 75 Megawatt in der Fernwärme in Betrieb.

Den Löwenanteil trugen dabei drei große Kollektorfelder von Multimegawattanlagen bei, die im ersten Halbjahr 2020 den Betrieb aufgenommen haben. Mehr als die Hälfte der neuen Kollektorfläche entfällt dabei auf die mit 14.800 Quadratmetern deutschlandweit bislang größte Anlage in Ludwigsburg/Kornwestheim, die seit Februar 2020 Solarwärme liefert. Für 2021 ist zu erwarten, dass sie als deutscher Rekordhalter abgelöst wird durch eine noch deutlich größere Anlage der Stadtwerke Greifswald.

“Wir erleben bei den solaren Wärmenetzen in Deutschland seit etwa fünf Jahren ein dynamisches Wachstum, das sich nach unseren Prognosen auch in Zukunft fortsetzen wird”, sagte Patrick Geiger, wissenschaftlicher Mitarbeiter von Solites. Auf Basis bekannter in Bau und Planung befindlicher Projekte prognostizieren die Expert:innen des Stuttgarter Forschungsinstituts bis 2025 eine Verdopplung der Anlagenzahl auf rund 90 und eine Verdreifachung der Kollektorfläche auf mehr als 300.000 Quadratmeter. Diese Prognose basiert neben den bestehenden Anlagen auf Ausschreibungen, Planungen und Machbarkeitsuntersuchungen für Projekte und sie berücksichtigt dabei deren unterschiedliche Realisierungswahrscheinlichkeit.

Ein wesentlicher Treiber für die positive Marktentwicklung der solaren Fernwärme sind langfristig berechenbare günstige Wärmegestehungskosten. Sie sind bei großen Freiflächenanlagen – nicht zuletzt dank einer attraktiven Förderung des Bundes – mit 40-70 Euro (netto) pro Megawattstunde bereits heute wettbewerbsfähig zu fossiler Wärmeerzeugung. Steigende CO2-Preise und europäische Vorgaben zur schrittweisen Dekarbonisierung der Fernwärme dürften diesen Trend daher in den kommenden Jahren verstärken.

“Für schnelle Fortschritte beim Klimaschutz im Gebäudesektor ist der Ausbau von Wärmenetzen auf Basis von erneuerbaren Energien und Abwärme ein Schlüsselfaktor. Solarthermie hat dabei neben Großwärmepumpen und Geothermie die größten Potenziale”, sagt Dirk Mangold, Leiter von Solites. “Um das Potenzial der solaren Fernwärme zu heben, bedarf es einer systematischen kommunalen Wärmeplanung”, so Mangold. “Die Sicherung potenzieller Flächen für Solarthermie steht bislang zu wenig im Fokus der Planungsbehörden. Denn die zunehmende Konkurrenz um Flächen ist eine der größten Herausforderungen der Energiewende – auch im Wärmebereich”. Eines der stärksten Argumente für die Solarthermie ist dabei Ihre extrem hohe Flächeneffizienz: diese liegt um den Faktor 3 bis 4 über der Photovoltaik und um den Faktor 30 bis 50 über dem Energiepflanzenanbau und ermöglicht einen Wärmeertrag von rund 2 GWh pro Hektar Landfläche und Jahr.

Text: Guido Bröer

Die Grafiken stehen auf unserer Internetseite unter https://www.solar-district-heating.eu/de/aktuelles/medien/ zum Download zur Verfügung.

44 solare Wärmenetze mit insgesamt 106.634 Quadratmetern Kollektorfläche sind im Jahr 2021 in Deutschland bereits in Betrieb. Viele Weitere sind in Bau oder Planung.

 

Netzgebundene solarthermische Anlagen entwickeln sich in allen Marktsegmenten positiv. Für die kommenden Jahre sind vor allem große Anlagen für städtische Fernwärme in Vorbereitung.

 

Difu liefert kompakte Anleitung für solare Wärmenetze

2021-03-04T13:57:49+01:00Mar 3rd, 2021|

Das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) hat eine 8-seitige Anleitung für kommunale Akteure zur Initiierung und Entwicklung eines Wärmenetzes mit großer Solarthermieanlage erstellt.

Die Broschüre, die in der Difu-Reihe „#Klimahacks“ erschienen ist, trägt den Titel: „Mach Dein Projekt zu solaren Wärmenetzen!“. Der Reader erklärt mit vielen Links ebenso knackig wie fundiert die wichtigsten Hintergründe zu Fern- und Nahwärmenetzen mit erneuerbaren Energien und insbesondere der Solarthermie. Am Ende steht eine To-Do-Liste, die so gut aufbereitet ist, dass die Initiation eines solaren Wärmenetzes in einer Kommune fast wie eine Challenge für die Fridays-for-Future-Generation erscheint. Und das ist von den Autoren Jan Walter und Paul Ratz bestimmt auch so gemeint. Die Publikation, die man in 10 Minuten kapiert hat, aber mit der man sich dank der vielen Links auch richtig lange beschäftigen kann, steht kostenlos im Netz.

Zur Broschüre: https://difu.de/publikationen/2021/klimahacks-no-7-mach-dein-projekt-zu-solaren-waermenetzen

Text: Guido Bröer

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