Europäische Kommission will erneuerbare Energien in Wärmenetzen voranbringen

2018-06-11T15:20:02+02:00Feb 21st, 2017|

Die Ausschüsse des Europäischen Parlament und des Europäischen Rates beginnen jetzt, sich mit dem von der Europäischen Kommission Ende November vergangenen Jahres vorgelegten Energiepakets zu befassen.

Damit kommt viel Arbeit auf die Abgeordneten zu. Das gesamte Paket einschließlich begleitender Dokumente umfasst schon heute mehr als 35 000 Seiten. Die Beratung des Energiepaketes steht ganz am Anfang. Am 2. Februar wurde  José Blanco Lopez von der sozialdemokratischen Fraktion im federführenden Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie (ITRE) zum Berichterstatter für die Erneuerbare-Energien-Richtlinie gewählt.Gleich mehrere Richtlinien will die Kommission mit ihrem Maßnahmenbündel anpacken:

• Erneuerbare-Energien-Richtlinie,
• Energieeffizienzrichtlinie,
• Richtlinie über Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden,
• Richtlinie zum Elektrizitätsmarkt,
• Richtlinie zur Vorbereitung auf Risiken im Energiesektor,
• Richtlinie zur Regierungsführung.

Ein erklärtes Ziel der Kommission ist es, den Einsatz erneuerbarer Energien auf der lokalen Ebene anregen. Die Rechte von Prosumenten will sie stärken. Es soll leichter werden, auf dem eigenen Gebäude Energie zu erzeugen und auch im eigenen Viertel mit anderen Energie zu teilen. Mieterstromprojekte und genossenschaftliche Projekte sind im Interesse der Kommission. Für eine quartiersbezogene Energieversorgung sollen auch Dritte als Dienstleister eingesetzt werden können.

Voranbringen will die Kommission im Rahmen der Erneuerbare-Energien-Richtlinie auch das Heizen und Kühlen mit erneuerbaren Energien. Bis 2030 soll deren Anteil an der jeweiligen nationalen Wärme- und Kälteversorgung jährlich um 1 Prozentpunkt steigen. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen die Mitgliedsstaaten ausdrücklich die Lieferanten von Treibstoffen zu Maßnahmen heranziehen können – das könnte zum Beispiel eine finanzielle Abgabe auf fossile Energien im Wärmebereich bedeuten.

Auch sollen lokale Erzeuger von regenerativer Wärme künftig das Recht erhalten, in lokale Wärmenetze einzuspeisen. Das derzeitige Monopol der Betreiber von Wärmenetzen, ihre Kunden ausschließlich mit Wärme aus den eigenen Anlagen beliefern zu dürfen, würde also aufgebrochen. Von den Details wird es jedoch abhängen, wie dann die Investition in Wärmenetze abgesichert werden kann. Manches Stadtwerk wird zurückhaltender investieren, wenn zudem jeder Hausbesitzer vom derzeit häufig bestehenden Anschluss- und Benutzungszwang dank europäischer Richtlinie befreit wäre – sofern die Energieerzeugung im eigenen Haus effizienter erfolgt als durch die Wärmelieferung. Genau diese Option will die Kommission für Hausbesitzer vorsehen.

In jedem Fall würde die von der Kommission vorgesehene Maßnahme in der Erneuerbare-Energien-Richtlinien ganz neue Geschäftsmöglichkeiten für Erzeuger von regenerativer Wärme eröffnen, wenn ihnen die Wärmenetze generell diskriminierungsfrei offenstehen sollen. So sind große solarthermische Anlagen häufig bereits eine wirtschaftlich nutzbare Alternative zu Öl- und Gaskesseln. Die Betreiber von Wärmenetzen sollen lediglich dann den Zugang verweigern dürfen, wenn die Kapazitäten des Netzes bereits durch Wärme aus Erneuerbare-Energien-Anlagen, aus hocheffizienter KWK oder aus der energetischen Nutzung von Abfällen ausgeschöpft sind.

Das Energiepaket der Europäischen Kommission ist hier zu finden.

Text: Andreas Witt

Solares Wärmenetz in der Stadt Preetz?

2018-06-11T15:20:44+02:00Feb 21st, 2017|

Eine Machbarkeitsstudie im Auftrag der schleswig-holsteinischen Stadt Preetz hat die Wirtschaftlichkeit einer Solarunterstützung für ein geplantes neues Wärmenetz belegt, das neben Solaarkollektoren auch von einer bestehenden Biogasanlage und Holzhackschnitzelnversorgt werden soll.

Ausgehend von der Biogasanlage eines Landwirts in der Nachbargemeinde Pohnsdorf, die bereits seit dem vergangenen Jahr ein kleines Wärmenetz mit 700 Metern Trassenlänge versorgt, könnte in Preetz ein 15 Kilometer langes Netz entstehen. Zugleich würde der Landwirt seine Anlage flexibilisieren, also mit einem weiteren Blockheizkraftwerk ausstatten, um sie dann nur noch bei hohem Strombedarf zu betreiben.Die außergewöhnliche Machbarkeitsstudie hat die Unternehmensberatung Treurat und Partner gemeinsam mit dem dänischen Ingenieurbüro Rambøll unter Beteiligung interessierter Bürger der Kommune erarbeitet. Sie vergleicht drei Varianten ganz oder weitgehend regenerativer Wärmeversorgungen mit einem vierten Referenzszenario, bei dem neben der Biogasanlage der Großteil der Wärme von einem Erdgaskessel beigesteuert würde.

Bemerkenswert: Alle Regenerativvarianten mit Holz und Sonne erreichen nach den Berechnungen deutlich günstigere Wärmegestehungskosten als die fossile Referenzanlage. Am wirtschaftlichsten, sprich mit den geringsten Kilowattstundenpreisen, stellt sich derzeit die Variante dar, bei der eine 6 300 Quadratmeter große Solaranlage rund 19 Prozent der pro Jahr benötigten Wärme liefert. 61 Prozent kämen aus Holzhackschnitzeln, 15 Prozent aus Biogas und lediglich 5 Prozent aus einem Erdgas-Reservekessel, der nur an besonders kalten Tagen einspringen würde.

,Während der Sommermonate könnten wir die Biogasanlage komplett abstellen‘, erläutert Hans Eimannsberger, der Initiator der Wärmenetz-Idee. Der frühere Leiter der Energiestiftung Schleswig-Holstein, treibt jetzt als Vorruheständler ehrenamtlich die Wärmewende in seinem Wohnort Preetz voran. Wärmenetz und Erzeugungsanlagen sollen von den Bürgern selbst betrieben werden. ,Noch im Februar wollen wir die Energiegenossenschaft gründen‘, berichtet Eimannsberger, der sich über mangelndes Interesse nicht beklagen kann. Zu einer Bürgerversammlung waren Ende vergangenen Jahres 140 Preetzer ins Rathaus geströmt, so dass die Stühle im Sitzungssaal nicht reichten. Spontan trugen sich mehrere Dutzend Preetzer in die Interessentenliste für eine Energiegenossenschaft ein.

,Die Genossenschaft ist die günstigste Lösung, weil wir wenig Luft im Wärmepreis haben‘, berichtet Gerrit Müller-Rüster von Treurat und Partner. So komme man in den konservativen Kalkulationen bereits auf einen Endkundenpreis von weniger als 10 Cent pro Kilowattstunde. Eimannsberger ist dies allerdings noch nicht günstig genug. Er möchte mit einem noch niedrigeren Wärmepreis auch skeptische Hausbesitzer und einige Wohnungseigentümergemeinschaften überzeugen, um mindestens eine 70-prozentige Anschlussquote in dem zu versorgenden Gebiet zu erreichen. Deshalb laufen derzeit Verhandlungen, um günstigere Planungs- und Finanzierungskosten und möglicherweise weitere Zuschüsse für das in dieser Konstellation in Deutschland bislang einmalige Projekt zu mobilisieren.

Text: Guido Bröer

Übersicht über EU-finanzierte Projekte im Bereich ‘Wärme und Kälte’

2018-06-11T15:22:31+02:00Feb 10th, 2017|

Eine Reihe von EU-geförderten Arbeiten und Projekten unterstützen die von der EU Anfang 2016 verabschiedete ‘Heating and Cooling’-Strategie. Erstmals wurde ein einzelnes Dokument von der Europäischen Kommission abgefasst, welches einen Überblick über alle von der EU geförderten Projekte im Bereich Wärme und Kälte für Aufrufe zwischen 2011 und 2016 gibt.

Das Dokument steht hier zu Verfügung.

Silkeborg: Neuer Rekordhalter geht in Betrieb

2018-06-08T13:33:42+02:00Feb 10th, 2017|

In Silkeborg, Dänemark, wurde die weltgrößte solarthermische Anlage nach Zeitplan Ende 2016 übergeben. Mit 156 694 m² ist diese Anlage mehr als doppelt so groß wie die bisher größte in Vojens, welche im Jahr 2014 ebenfalls von Arcon-Sunmark geliefert wurde.
In den vergangenen sieben Monaten wurde am Firmensitz von Arcon-Sunmark 445 Mal ein LKW mit Solarkollektoren beladen, um diese zum eineinhalb Stunden entfernten Standort der Anlage zu bringen. Die 12 436 Kollektoren sind in das Fernwärmenetz der Stadt Silkeborg eingebunden.

Mit einem jährlichen Ertrag von 80 000 MWh wird die Anlage den Wärmebedarf von rund 4 400 Haushalten beziehungsweise ca. 20 % der Fernwärme von Silkeborg decken:

,Ein Fünftel des jährlichen Wärmeverbrauchs in Silkeborg wird ab jetzt mit Solarwärme gedeckt und wir sind stolz darauf, dass wir zusammen mit Silkeborg Forsyning an diesem Projekt teilhaben konnten. Es zeigt, wie zügig eine Umstellung zur erneuerbaren Energie sich verwirklichen lässt und dass der Prozess nicht langwierig und zeitaufwendig sein muss’, sagt Søren Elisiussen, Geschäftsführer Arcon-Sunmark A/S.

Der Vertrag zwischen Silkeborg Forsyning und Arcon-Sunmark wurde im Februar 2016 unterschrieben. Im Mai wurde mit dem Bau begonnen und Ende Dezember wurde die Anlage in Betrieb genommen.

Quelle: Arcon-Sunmark

‘Heiße Sache’ – Ein Aquifer-Wärmespeicher für Hamburg

2020-04-01T16:36:02+02:00Feb 10th, 2017|

Die SDHp2m-Partner Hamburg Institut und PlanEnergi haben eine Strategie erarbeitet, um erneuerbare Energien in Hamburgs Fernwärmesystem einzubinden. Ein Schlüsselelement dieser Strategie ist ein Wärmespeicher in einem Salzwasser-Aquifer, zur Speicherung von industrieller Abwärme und Solarwärme.

Die SDHp2m-Partner Hamburg Institut und PlanEnergi haben eine Strategie erarbeitet, um erneuerbare Energien in Hamburgs Fernwärmesystem einzubinden. Ein Schlüsselelement dieser Strategie ist ein Wärmespeicher in einem Salzwasser-Aquifer, zur Speicherung von industrieller Abwärme und Solarwärme.

In einer Studie für die Stadt Hamburg haben die Berater für das städtische Fernwärmesystemmehrere Optionen für den Ersatz einer alten kohlebefeuerten KWK-Anlage durch erneuerbare Wärme und Industrieabwärme analysiert.

In der Studie wird abschließend festgestellt, dass die kohlebefeuerte Anlage vollständig mit Wärme aus erneuerbaren Quellen und Abwärme zu konkurrenzfähigen Kosten ersetzt werden könnte. Um Abwärme und Wärme von einer möglichen Solarthermieanlage einzubinden, schlagen die Berater vor, die sommerliche Überschusswärme in einem natürlichen Aquifer zu speichern. Das Wasser in diesem Aquifer könnte aufgrund seines hohen Salzgehalts ohnehin nicht als Trinkwasser genutzt werden.

Die Studie hat große öffentliche Aufmerksamkeit hervorgerufen: Die namhafte Wochenzeitung DIE ZEIT setzte sie auf die Titelseite ihrer Hamburger Ausgabe unter dem Titel ‘Heiße Sache‘.

Zukunft Sonne! Solarthermie und Fernwärme: Ein Wegweiser für die Praxis

2018-06-11T15:18:25+02:00Feb 8th, 2017|

Im Rahmen des europäischen Horizon2020-Projektes SDHp2m wurde im Auftrag des Thüringer Ministeriums für Umwelt, Energie und Naturschutz die Broschüre ‘Zukunft Sonne! Solarthermie und Fernwärme: Ein Wegweiser für die Praxis’ erstellt. Neben einem umfassenden Fragen-Antworten-Katalog, der in Kooperation mit Thüringer Akteuren und wissenschaftlichen Einrichtungen entwickelt wurde, sind drei interessante Fallstudien zum Thema solare Fernwärme in Thüringen Teil der Broschüre.

 

Diese kann kostenfrei hier abgerufen werden.

Webinar zum Thema ‘Erneuerbare Wärmenetze – Nahwärmesysteme und Genossenschaftsmodelle’

2020-04-01T16:33:54+02:00Nov 2nd, 2016|

Für Kommunen, die nach einer unabhängigen Energieversorgung zu stabilen Wärmepreisen streben, werden Wärmenetze, basierend auf lokalen erneuerbaren Energiequellen, immer mehr zu einer attraktiven Lösung. Dabei erfolgt in der Regel eine breite und direkte Beteiligung der Bürger, die teilweise nicht nur Wärmekunden sondern gleichzeitig auch Eigner des Wärmenetzes sind, indem sie beispielsweise eine Genossenschaft zur Wärmeversorgung gründen.

Beispiele solcher Wärmenetze aus Dänemark und Deutschland mit spannenden und inspirierenden Hintergrundinformationen wie Bürger den Weg zu einer sauberen und nachhaltigen Zukunft einschlagen können, wurden am 26. Oktober 2016 im ISES-Webinar (auf Englisch) ‘Renewable district heating – small local grids and cooperative utilities’ vorgestellt.
www.youtube.com/ISES webinar
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